Freitag, 11. November 2016

Buchempfehlung: Anazarah Abenteuer in der Wüste Jugendbuch

horlemann
Buchbesprechung

Anazahra  - Abenteuer in der Wüste      

Andreas Kirchgäßner

Sarah fährt mit ihrer Mutter und Thomas, deren neuen Freund nach Marokko. Thomas kennt sich aus und möchte den beiden Frauen die Oasen und die Wüste zeigen.
Am Anfang ist Sarah weniger interessiert, aber je näher der Reisetermin rückt und weil sie sich von ihrem Freund Tim getrennt hat, umso gespannter ist sie nun.

Sandsturm und Regen in der Sahara
Die drei Abenteurer sind schon einige Tage mit einem Geländewagen unterwegs, als plötzlich ein Sandsturm aufkommt und die Zelte arg durcheinanderwirft. Nicht genug damit regnet es in der Nacht und Sarah, auf der Such nach ihrem Hund Basti, wird weggeschwemmt und von ihrer Mutter und Thomas getrennt.

Rettung
Von dem Hassaniya-Jungen Abderrahmane wird sie gerettet. Die Hassaniya sind arabische Nomaden im Süden Marokkos, vereinzelt wandern sie an die Grenze Algeriens.
Der Vater von Abderrahmane mag keine Hunde und schießt auf Basti, der sich daraufhin aus dem Staub macht. Sarah wird von Abderrahmanes Mutter aufgehalten und zuerst weiß Sarah nicht, warum. Außerdem gibt es Verständigungsschwierigkeiten. Doch Sarah entkommt dem Zelt und läuft in die Wüste hinaus - doch wohin ? Und wo ist Basti ?
Die findet eine Spur von Bluttropfen, aber dann ist die Hitze zu stark für Sarah. Da kommt ihr Abderrahmane zu Hilfe. Mit zwei Kamelen, etwas zu essen, Wasser und Tee wandern die beiden einem ungewissen Ziel entgegen. Oder weiß Abderrahmane wohin es geht ?

Angst und Ungewissheit
Zu Anfang hat Sarah Angst vor der neuen Umgebung, vor den fremden Menschen, vor der Sprache und der übermächtigen Natur. Da ihr nichts anderes übrig bleibt, fasst sie Vertrauen und freundet sich mit Abderrahmane an, der sie sicher durch die Ebenen und Steinwüste führt. Doch dann wird Abderrahmane unruhig und Sarah kommt ihrem neuen Freund zu Hilfe als sich dieser seinem Vater, der die beiden verfolgt hat, entgegenstellt. Sie können entkommen.

Hubschrauber und Schüsse
Plötzlich werden sie von Hubschraubern und Wagenkolonnen angegriffen. Hat der Vater das organisiert ? Sind das Schmuggler, was wollen sie von den Kindern ? Sie trennen sich, da hört Sarah Schüsse. Sie versteckt sich. Wohin ist Abderrahmane gelaufen ? Wird sie ihn wiederfinden ? Sarah hat schon viel von Abderrahmane gelernt und bleibt in ihrem Versteck, bis die Autos verschwunden sind.

Abderrahmane ist weg
Sie kommt heraus und findet nur noch ihr Kamel in einer Höhle, in die sie zuvor auch ihre Sachen gelegt hatten. Abderrahmane ist verschwunden, doch er hat ihr den Weg mit Essenstückchen angezeigt. Als sie ihn wieder sieht, vergisst Sarah alle Vorsicht und ruft ihm zu. Doch da tauchten wieder Hubschrauber vor Abderrahmane auf. Die Männer darin erschießen Abderrahmanes Lieblingskamel und nehmen ihn mit. Vergeblich schreit Sarah nach ihm, doch sie merkt dass sie sich verstecken muss.
Inzwischen hat Sara so viel von Abderrahmane gelernt, dass sie sich in der Fremde zurechtfindet. Wenig später erreicht sie eine Asphaltstraße Wohin führt sie ?


Autor:
Andreas Kirchgäßner, 1957 in Freiburg im Breisgau geboren, lebt in Merdingen. Landwirtschaftslehre nach dem Abitur. Arbeitete als Maschinenschlosser, LKW-Fahrer und Lagerarbeiter. Nach ausgedehnten Afrikareisen entschloss er sich, ganz vom und fürs Schreiben zu leben. Er verfasste zahlreiche Erstlesebücher, Jugendromane, Hörspiele und Features.

Fazit:
Ein wunderbares Buch über die Erkenntnis, dass der Fremde zum Freund wird, wenn man sich gegenseitig vertraut.
Die anfängliche Angst und das Misstrauen weichen von Sarah als sie merkt, dass sie auf die Hilfe von Abderrahmane angewiesen ist und er ihr keinen Grund gibt, misstrauisch zu sein, obwohl die Sprachbarriere und der Vater von Abderrahmane die Situation verkompliziert.

Das Buch ist für Jugendliche geschrieben und eine schöne Empfehlung, auch als Weihnachtsgeschenk.

Samstag, 5. November 2016

Rezension: Köstlicher Orient

wagenbach
Buchempfehlung

PETER  HEINE

KÖSTLICHER  ORIENT 
Eine Geschichte der Esskultur     

Freunde der nordafrikanischen und orientalischen Länder und deren Küche können sich und ihren Bekannten zu Weihnachten ein schönes Geschenk bereiten.
Der Islamwissenschaftler und Kenner der orientalischen Küche Peter Heine ist der Autor dieses interessanten Bandes rund um die Esskultur in Nordafrika und im Orient bis nach Indien.

Ein schönes Buch
Das Buch beeindruckt schon von außen. Der blaue Leineneinband mit orientalischem Mosaik aus Usbekistan lässt auf einen „erlesenen“ Inhalt hoffen. Dass dies kein „normales“ Kochbuch ist, bemerkt man schon beim Öffnen des Bandes. Bordeaux-Rote Vorsatzseiten und eine blaue Schrift mit bordeaux-farbenen Überschriften und Seitenzahlen machen auf den Inhalt neugierig. Die Rezepte stehen in hellblau hinterlegten Infokästen und sind mit einer roten Leiste und einer Zeichnung verziert.

Geschichte der orientalischen Kochkunst
Hier geht es mehr um die Geschichte der orientalischen Kochkunst, um die Kultur, um die Gewürze, um den Umgang mit Kochgeschirr und Rezepte für Diabetiker und andere Einschränkungen aus alten arabischen Kochbüchern und um den Verlauf des Kochens als Kunst in den Epochen vom frühen Mittelalter über die Kolonialzeit bis zur Moderne als um präzise Vorgaben, die bei einigen Rezepten fehlen.

Von der Gastfreundschaft zum Hummus-Streit
Die Beiträge in den acht Kapiteln sind vielfältig und unterhaltsam. Von der Gastfreundschaft in der arabischen Welt bis zu Döner-Buden und Halal-Industrie reichen die Themen. Man erfährt, dass in Marokko in der Profi-Küche mehr Frauen als Männer Chefköche sind, dass trotz der Gebote im Koran doch ganz gern Wein und Bier getrunken werden, aber Schweinefleisch tatsächlich fast überall in der arabischen Welt nicht gegessen wird.

Es gab und gibt so viele Kochbücher wie Länder oder frühere Dynastien. Wie waren die Essgewohnheiten der Omayyaden oder Abbasiden, konnte es eine einheitliche Küche im Osmanischen Reich geben?
Auch das Kapitel über die Gewürze, die vom östlichen Orient in den Nahen Osten und weiter nach Europa wanderten und welche Gemüse vom Westen in den Osten wanderten wird sehr interessant geschildert. Angereichert sind die Themen mit Anekdoten, Beschreibungen der im Koran stehenden Gebote über das Essen und Trinken und über das Teilen der Speisen mit den armen Leuten. Im Ramadan werden spezielle Suppen wie Harira oder Süßspeisen zubereitet und gerade in dieser Zeit denkt man besonders an Bedürftige und teilt das Essen miteinander. Politische Parteien und Institutionen laden zum Fastenbrechen ein.

Ein sehr interessantes Kapitel dreht sich um Politik und Wirtschaft in den Speisen. Hierin streiten sich Israelis mit ihren Nachbarn um Falafel und Hummus. Ist Dolma das Nationalgericht des Irak oder kommen die gefüllten Weinblätter doch aus Armenien? Auch die Verarbeitung und Herstellung von Halal-Gerichten ist ein neueres Thema, nicht nur in Europa, auch in China, wo 27 Millionen Muslime leben.

Erste Eindrücke
Die erste Dynastie nach dem Propheten Muhammed und den ersten vier Kalifen waren die Omayyaden. Bei ihnen spielte die Quantität eine größere Rolle als die Qualität. Auf dem Speiseplan standen Lamm, Schaf und Datteln in einfacher Zubereitung. Schon die Abbasiden erweiterten ihre Rezepte mit antiken griechisch-römischen und iranischen Speisen, die durch den Handel in die Hauptstadt Bagdad gelangten und durch die Übersetzung früherer Kochbücher. Nach den Abbasiden erlebte besonders Nordafrika eine kulinarische Blütezeit. Zu den eigenen Köstlichkeiten brachten die zurückkehrenden Andalusier nach 1492 viele Feinheiten von der spanischen Halbinsel mit.
In der iranischen Küche sind Reisgerichte und Sorbets ein Leckerbissen, die während der Safawiden-Dynastie (1501 - 1722) besonders erweitert wurden.

Im Anhang findet sich ein alphabetisches Verzeichnis der 70 Rezepte bzw. mehr als hundert, wenn man die arabische Übersetzung mitzählt. Zur Vertiefung in das Thema wurde eine Liste der verwendeten Literatur beigefügt, sowie eine Zeittafel und eine Zutatenliste mit Hinweisen, wo diese erhältlich sind.  

Fazit:
Der Autor gibt einen tiefen Einblick in die kulinarische Kultur Nordafrikas und des Orients, die noch vielseitiger ist, als man ohnehin schon weiß. Ergänzende Abbildungen von den Gerichten fehlen leider. Doch die Geschichte um die Esskultur des Orients ist vielfältig und interessant erzählt, so dass dieses Buch auf jeden Fall eine Bereicherung für den interessierten Leser ist, eine gute Empfehlung.

Donnerstag, 3. November 2016

Buchempfehlung: Coffee to go in Togo

conbook
Buchempfehlung

MARKUS  MARIA  WEBER

EIN  COFFEE  TO  GO  IN  TOGO


„Enge Büroräume, Engstirnigkeit von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden, eingenommen von der täglichen Routine und von mir selbst, immer im selben Trott, im selben Rhythmus“, „Flucht aus der Zivilisation“, nennt Markus Maria Weber sein Ausbrechen aus der Routine des Alltags.
Eine ganz simple Frage beschäftigte den Autor: „Trinkt man in Togo Kaffee to go?“ Gibt es das überhaupt in Afrika?

Gibt es Coffee to go in Togo?
Während der alltäglichen Zugfahrt zur Arbeit, zusammen mit Kolleginnen und Kollegen in engen Kostümen oder steifen Anzügen, im Abteil der 1. Klasse, einen Kaffee trinkend und bereits hier die ersten Mails checkend, begann der stressige Arbeitstag. Und auch sein Arbeitstag als Unternehmensberater war wie jeder andere und wie der seiner Kollegen, die er als „fremdbestimmte fleißig dienende Ameisen“ bezeichnete. Am Kaffeebecher eines Sitznachbarn blieb sein Blick hängen und er fragte sich, ob er wohl wüsste, wie eine Kaffeepflanze aussieht? „Hat der Coffee to go zu der Beschleunigung beigetragen, über die in den letzten Jahren so viele klagen?“ Der Autor begann darüber nachzudenken, ob der Coffee to go vielleicht sogar aus Togo herkommt?

Nach reiflicher Überlegung, aber vielleicht auch „naiv und blauäugig“ setzte Markus Weber nach einer längeren Vorbereitungsreise quer durch Europa seinen Fuß zum ersten Mal auf den afrikanischen Kontinent, mit einem Fahrrad und Zelt. Und so begann die abenteuerliche Reise in das westafrikanische Togo.

Der Donauradweg zum Trainieren
„Mit einem Fahrrad ist man schnell genug, um fremde Länder zu erkunden, und doch langsam genug, um Menschen und Natur zu erleben.“ hatte der Autor in einem Forum gelesen und den Satz für sich zum Anlass genommen, auch so einfach wie möglich zu reisen, ganz im Gegensatz zu seiner gewohnten Fortbewegung im Zug, 1. Klasse oder Taxi.

Einen Monat vor der Abreise war die Ausrüstung eingekauft, die Landkarten und Reiseführer eingepackt. Doch wie repariert man die Fahrradkette? Entsetzt bemerkt Markus Weber, dass er nicht wusste, wie er seine neuen Geräte, Kocher, Wasserfilter, Reparaturset, etc. benutzen sollte, dass er überhaupt nicht vorbereitet war für das Abenteuer Afrika. So brachte ihn ein Dokumentarfilm auf die Idee, zum „Trainieren“ den Donauradweg von der Quelle bis zur Mündung im Schwarzen Meer entlang zu radeln, und dies schildert er im ersten Teil des Buches. Die ersten Abenteuer begannen bereits einige Kilometer hinter seinem Heimatort, wo er sich verfuhr. Und so vergingen die ersten Monate am Donauradweg entlang bis Rumänien und weiter nach Istanbul mit Höhen und Tiefen, nicht nur geographisch, auch die Laune stieg und sank wie die Sonne. 

Über Griechenland, Italien und Spanien nach Marokko
Der Autor machte viele Erfahrungen mit freundlichen Menschen und weniger freundlichen Hunden, am schlimmsten waren die in Rumänien. In der Türkei hat er Frauen mit offenen wehenden Haaren und T-Shirts und junge Männer mit Turnschuhen und bedruckten modernen Hemden gesehen, dem Muezzinruf folgten nur ein paar Männer in die Moschee, die Caféhaus- und Ladenbesitzer gingen ihrer gewohnten Arbeit nach und ließen nicht alles liegen  und stehen, um zum Gebet zu laufen. Diesen lockeren Umgang mit dem Islam hat Markus Weber nicht erwartet.

In Griechenland haben ihn der Raki und dazu noch ein bissiger Hund niedergestreckt, bevor er nach Italien übersetzte, wo ihm Touristen und schmuddeliges Herbstwetter erwarteten. Eine unfreundliche Begegnung mit deutschen Landsleuten auf einem Campingplatz befeuerte die Vorfreude auf Spanien, wo er mit einer Industriefähre in Barcelona landete. Afrikas Abenteuer kamen näher.
Doch zuvor musste Markus Weber einen französischen Landstreicher, künstliche Touristenorte, riesige Plastikfolienfelder unter denen Tomaten für den europäischen Markt mit reichlich Insektiziden behandelt werden und viel Regen ertragen.

Nach 6 Monaten erreicht er im Dezember 2012 Tanger in Marokko und traf auf Landsmann Rudi, mit dem er in Marrakech Weihnachten feierte. Drei Begleiter aus Friesland brachten ihn und Rudi in Bus und LKW durch die Westsahara und Mauretanien, vor unliebsamen Überraschungen verschont, in den Senegal. In St. Louis verabschiedeten sie sich und der Autor setzte seinen Weg mit Rudi fort. Durch Gambia, Guinea-Bissau, Guinea, Sierra Leone, Liberia, Côte d’Ivoire, Ghana bis Togo führte die Strecke meist an der Küste entlang.
Viele weitere Abenteuer erwarten Markus Weber und seine zeitweiligen Mitfahrer in Westafrika.  Doch dies sollten Sie selbst lesen und entdecken. Viel Vergnügen.

Fazit:
Ein lebendig, in der Ich-Form geschriebenes Buch, so das man glaubt mit dem Autor mitzureisen und zu leiden. Fröhliche Momente wechseln mit tristen ab. Die Kapitel sind nicht zu lang und obwohl der Abenteurer fast jeden Tag Fahrrad fährt, sich in Cafés stärkt, eine Pension oder einen Campingplatz sucht, gibt es kaum langweilige Wiederholungen im Text.
Die Begegnungen mit den Einheimischen in den verschiedenen Ländern sind mehrheitlich lustig, manchmal lästig, manchmal gefährlich und bedrohlich. Auch mit den mitreisenden Radfahrern hat er Glück und freundet sich mit etlichen an. Und natürlich gibt es ein „Happy End“ in Togo mit einem Coffee to go.
Eine schöne Leseempfehlung für alle, die es Markus Weber gleich tun möchten, mit vielen Hinweisen, vor allem sehr empfehlenswert für aufgeschlossene und neugierige Leser , die ein abwechslungsreicher Lesegenuss erwartet. Sehr gut.




Donnerstag, 27. Oktober 2016

Buchempfehlung: Filmtourismus

utb
Buchempfehlung

ALBRECHT  STEINECKE

FILMTOURISMUS

Das vorliegende Studienbuch wirft einen Blick auf den Tourismus, der um Schauplätze von Filmen, Drehorten von TV-Serien und deren Mitwirkenden entsteht, wenn diese erfolgreich sind. Die Figuren, die Handlungsorte oder auch die Autoren von Büchern haben einen Einfluss auf Zielgebiete, die örtlichen Organisationen wie Fremdenverkehrsämter oder Hotels werben mit speziellen Angeboten. Orte wie Deekelsen („Der Landarzt“) oder der Planet Tatooine (Tataouine in Tunesien) in StarWars werden zu „Pilgerstätten“ der Fans.

Prof. Dr. Dr. Albrecht Steinecke geht in diesem Buch der Frage nach, was eigentlich „Filmtourismus“ ist, wie sich die Reiseziele engagieren, welche Erwartungen die Filmtouristen mitbringen und welche Auswirkungen der Filmtourismus auf die Drehorte und deren Beteiligte wie Hotels, Museen, Themenparks, Gräber von Filmstars, etc. hat.
Das letzte Kapitel enthält Checklisten für Destination Management Organisationen, die Marketing-Maßnahmen vor der Produktion, während der Dreharbeiten und nach dem Erscheinen des Films beinhalten. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis steht für weiterführende Information zur Verfügung.

Während Großbritannien, die USA und asiatische Länder in den letzten zwanzig Jahren erfolgreich Filme und touristische Attraktionen verknüpfen und vermarkten, gibt es in Deutschland zum Teil erhebliche Informationsmängel. Das vorliegende Buch möchte ein Basiswissen vermitteln und einen Überblick über den Filmtourismus geben.
Da sich die Tourismuswissenschaft erst seit kurzem mit dem Filmtourismus beschäftigt, ist dieses Buch ein interessanter Beitrag für Studierende und Dozenten. Ebenso werden Tourismus-Verantwortliche in den Zielgebieten angesprochen.

Bemerkenswert ist bei einem Ort die unterschiedliche Wahrnehmung der Besuchergruppen, zum einen als historisch gewachsener Ort als Schauplatz der Geschichte (Schlachtfeld in Waterloo, Belgien 1815), eine wichtige Sehenswürdigkeit (Burg, Schloss, Geburts- oder Sterbehaus, Wirkungsstätte) oder als Location für Filmaufnahmen.
Werden der Ort und die Sehenswürdigkeit im Reiseführer beschrieben, steigt die Attraktivität sowie die Besucherzahlen. Die Tourismusverantwortlichen entwickeln daraus ein Angebot für beide Zielgruppen, die sich teilweise überschneiden. Inzwischen gehört das eigenständige Marktsegment „Filmtourismus“ zum Begriff „Kulturtourismus“ dazu.

Besucher haben unterschiedliche Motive und Erwartungen an den Filmproduktionsort, sei es einmal in die Story „einzutauchen“ („Flucht in die Phantasiewelt“), sei es die Szenerie in der Landschaft nachzuempfinden. In Tunesien spielen sie beispielsweise Szenen aus den „StarWars“-Filmen nach und kleiden sich entsprechend.
Die Anziehungskraft von Romanhelden und Filmfiguren veranlasst Fans zu Reisen an Orte, wo gerade ein Film gedreht wird, bei manchen geht die „Verehrung“ schon so weit, dass sie pathologische Auswirkungen hat. Auch diesem Phänomen des Kultes um Persönlichkeiten geht der Autor des Buches nach.

Wie sich die Zielgebiete auf das neue Interesse der Besucher einstellen, welche Angebote sie entwickeln und welche Auswirkungen der Besucheransturm auf die Orte, die Einwohner und die Landschaft haben, wird in weiteren Kapiteln erörtert.

Autor:
Prof. Dr. Dr. Albrecht Steinecke war Hochschullehrer an der Universität Paderborn. Seine Arbeitserfahrungen umfassen außerdem eine breite Forschungs- und Lehrtätigkeit an deutschen und ausländischen Universitäten sowie nationale und internationale Beratungsprojekte als langjähriger Geschäftsführer des Europäischen Tourismus Instituts GmbH in Trier.

Fazit:
Das neue Studienbuch von Prof. Dr. Dr. Albrecht Steinecke ist übersichtlich, gut verständlich und unterhaltend geschrieben. Die Vergleiche (positiv-negativ-Argumente, Vorteile-Nachteile, etc.) stellen den Sachverhalt in den Informationskästen anschaulich dar. Der Autor geht mit vielen Beispielen auf die Chancen, Risiken und Erfolgsfaktoren des Filmtourismus sehr gut ein.
Ein sehr empfehlenswertes Buch für Studierende, ebenso wie für Reisebüromitarbeiter, um mit Hintergrundwissen interessierte Kunden entsprechend beraten zu können.



Mittwoch, 26. Oktober 2016

Übersetzerpreis 2016 für Dr. Michael Stein

manesse

Übersetzerpreis 2016 für Dr. Michael Stein

Am Montag, 7. November 2016 erhält Dr. Michael Stein den Japan Foundation Übersetzerpreis für die Neuübersetzung des «Kopfkissenbuchs» von Sei Shōnagon aus dem Manesse Verlag.

Seit 1999 verleiht das Japanische Kulturinstitut (The Japan Foundation) einen Übersetzerpreis in Höhe von 5000 Euro für das beste in den letzten drei Jahren aus der japanischen in die deutsche Sprache übersetzte und im deutschsprachigen Raum als Buch erschienene literarische Werk.

Dr. Michael Stein, geb. 1948, studierte Japanologie mit Schwerpunkt klassische Literatur in Frankfurt a. Main sowie europäische Theaterwissenschaft in Frankfurt a. Main und Genua. Er promovierte über die Heian-Zeit (794–1185), jene Epoche also, in der das «Kopfkissenbuch» entstand.
Seit 1980 ist er Universitätsdozent an der Musikfakultät der Nationalen Hochschule der Künste in Tokyo. Mit seiner Monographie «Japans Kurtisanen» von 1997 verfasste er eine umfangreiche Kultur- und Sittengeschichte fernöstlicher Erotik und Unterhaltungskunst.
Im Manesse Verlag erschien 2008 seine hochgelobte Übersetzung von Japans erster moderner Klassikerin Higuchi Ichiyo «Mond überm Dachfirst».
Seine Neuübersetzung von Sei Shōnagons «Kopfkissenbuch» beruht auf jahrzehntelanger Beschäftigung mit diesem Hauptwerk der japanischen Literatur und dessen historischem Hintergrund. 

Sei Shonagon (ca. 966-nach 1010) stammte aus einer literarisch und wissenschaftlich hochbegabten Familie. Ihr Vater war ein bekannter Dichter und trat mit sechsundzwanzig Jahren in den Dienst der Kaiserin Sadako und verbrachte ein Jahrzehnt bis zu deren Tod im Hofdienst

Im Oktober 2015 erschien bei Manesse die Neuausgabe einer erstmals vollständigen Fassung von Sei Shonagons «Kopfkissenbuch», einem der frühesten und immer noch bedeutendsten literarischen Werke der japanischen Literatur.

Der Verlag möchte mit seiner Neuübersetzung die Leserinnen und Leser zu dieser poetischen Zeitreise an den japanischen Kaiserhof des Jahres 1000 einladen:

„Ein Bündel edlen Papiers diente Sei Shonagon damals als Notizbuch. Ihm vertraute sie an, was ihr durch den Kopf ging, darunter Vertrauliches und Delikates aus den Privatgemächern des Kaiserpalasts. Ihre «Telegramme» aus einer sagenhaften Hochkultur gewähren tiefe Einblicke in das Japan der Heian-Zeit wie auch ins Seelenleben der Verfasserin selbst. Ihr radikal subjektives Bekenntnisbuch, erstmals vollständig ins Deutsche übersetzt und dabei von aller falschen Süßlichkeit befreit, bezaubert durch seinen klaren, ungekünstelten Ton. Freizügig stellt hier eine kluge, selbstbewusste Frau Weltbewegendes neben scheinbar Banales, spricht über Mode oder Galanterie und entlarvt mit spitzer Feder das Intrigenspiel bei Hofe. Mit ihren lebendigen, ungezwungenen Improvisationen voller Witz und Scharfsinn schuf sie die literarische Gattung zuihitsu, und zeichnete «dem Pinsel folgend» all das auf, was ihr im Augenblick bemerkenswert erschien. In Japan ahmten Dichter, Schriftsteller und Priester sie nach, ohne jedoch jemals wieder die Ursprünglichkeit und Feinheit ihres Vorbildes zu erreichen.“

Preisverleihung:
Montag, 7.November 2016  um 19 Uhr
Japanisches Kulturinstitut Köln (The Japan Foundation)
Universitätsstraße 98
50674 Köln

In Verbindung mit der Preisverleihung ist eine Lesung aus dem Buch vorgesehen wie auch eine Einführung von Dr. Elisabeth Scherer, Institut für Modernes Japan der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Barbara Conrady-Takenaka als Sprecherin. In Kooperation mit der Deutsch-Japanischen Gesellschaft zu Köln e.V.

Sei Shōnagon
Kopfkissenbuch
Neuübersetzung! Erstmals vollständig auf Deutsch! Mit lesefreundlichem Kommentar
Aus dem Japanischen übersetzt, herausgegeben und benachwortet von Michael Stein
Bibliophile Prachtausgabe, foliengeprägter Leinenband mit zweifarbigem Schmucksatz,
384 Seiten
Euro 59,95 inkl. MwSt.     jetzt kaufen


Mittwoch, 19. Oktober 2016

Nürnberg 3. Afrikanischer Buchsalon

 Nürnberger Initiative für Afrika (NIfA) präsentiert 3. Afrikanischen Buchsalon

Am Sonntag, 23. Oktober findet im Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH) in der Königsstraße der dritte Afrikanische Buchsalon statt. Dieses Mal stehen spannende Kriminalromane aus Afrika im Mittelpunkt.

Wer kennt sie nicht, die stets wachsame und schlaue Mma Ramotswe aus Botswana ? Die Geschichten um die gewitzte Chefin der ersten Ladys-Detektei wurden in den 1990er Jahren verfilmt
und fanden zahlreiche begeisterte Zuschauer.

Nach einer Einführung in das Thema „Krimi“ stellen einige Mitglieder der Nürnberger Initiative für Afrika (NIfA) einzelne Bücher und ihre Autoren vor. Eine kurze Lesung vermittelt einen Einblick in das Geschehen. Dazu gibt es Hintergrundinformationen zu den Kriminalgeschichten und den Ländern.

Krimiautoren sind auch in Kenya und Südafrika aktiv und stellen nicht nur die Mörder sondern auch die Gesellschaft in den Mittelpunkt des Geschehens. Der kenyanische Autor Meja Mwangi zeigt in seinem Buch „Die Wilderer“ die brutale Vorgehensweise der Banden um Elfenbeinhandel, Korruption und Schutzgelderpressung auf.  Aus Nordafrika ist der Algerier Yasmina Khadra ein Begriff für spannende Unterhaltung. Sein Protagonist Commissaire Llob löst mit Geschick und Fingerspitzengefühl knifflige Fälle in der Hauptstadt Algier. Vorgestellt wird Yasmina Khadras neuestes Werk „Worauf die Affen warten“.

Begleitet wird die Veranstaltung mit Musik und Ausschnitten zu Mma Ramotswes Filmen. Auf den Büchertischen liegen zahlreiche Titel aus verschiedenen afrikanischen Ländern aus und die Besucher können sich über die neuesten Romane informieren.

3. Afrikanischer Buchsalon in Nürnberg
Veranstaltungsort: Caritas Pirckheimer Haus, Königstraße 64
Zeit: 13 - 17 Uhr
Eintritt frei 

Anverwandlungen - Der Islam in Europa...

wagenbach

NILÜFER  GÖLE

ANVERWANDLUNGEN - DER  ISLAM  IN  EUROPA  zwischen Kopftuch und Extremismus  -
politisches Sachbuch

Gibt es zwangsläufig Konflikt zwischen den Religionen? Ist der Westen wirklich in der Moderne und der Islam in Glauben und Tradition verankert? Oder können Glaube und Moderne im Islam neu zusammenfinden, jenseits von Fundamentalismus und Terrorismus?

Ausgehend vom 11. September und der Verflechtung der Attentäter mit der westlichen Zivilisation zeigt Nilüfer Göle, wie falsch die Ansicht ist, der Westen stehe für die Moderne und der islamische Osten für Rückständigkeit. Nie zuvor waren sich die beiden Welten so nahe.

Nicht zuletzt zielt der islamistische Terrorismus auch darauf, ein religiöses Repertoire neu zu erfinden. Göle analysiert, wie die Religion uminterpretiert und politisiert wird durch einen islamischen Terrorismus, der auf verschiedene Öffentlichkeiten abzielt: auf nationale, religiöse und westliche.

 Die Türkei – so ihre zentrale These – repräsentiert ein anderes Bild des Islam als das, was al-Qaida propagiert oder die Doktrin vom Konflikt der Kulturen behauptet. Sie könnte ein Modell zur Überwindung des Konflikts werden, ein Grenzgänger zwischen Islam und westlicher Welt.

Autorin:
Nilüfer Göle, geboren 1953 in Ankara, ist seit 2001 Professorin für Soziologie an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. Sie war unter anderem Gastprofessorin an der University of Michigan, am Massachusetts Institute of Technology und an der New School for Social Research in New York City und war Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin.

Aus dem Französischen von Ursel Schäfer.

Nilüfer Göle
Anverwandlungen - Der Islam in Europa zwischen Kopftuchverbot und Extremismus
Broschiert
160 Seiten
1.Auflage 2008 Deutsche Erstausgabe
Euro 10,90 inkl. MwSt.    Buch kaufen


Neu und aktuell: Europäischer Islam - Muslime im Alltag

wagenbach
NEU  und  AKTUELL

NILÜFER  GÖLE

EUROPÄISCHER  ISLAM  -  MUSLIME  IM  ALLTAG  - Sachbuch

Moscheebau? Kopftuch? Scharia? Die letzten Jahre waren geprägt von kontroversen Debatten über den Islam. Nilüfer Göle geht ihnen auf den Grund, indem sie mit den Menschen spricht, die diese Fragen angehen – von Köln bis Sarajevo, von Istanbul bis Paris.

Über den Islam wird viel gesprochen und publiziert, aber die anerkannte Soziologin Nilüfer Göle hat in diesem Buch erstmals das Thema aus einer gesamteuropäischen Perspektive und mit Fokus auf den Alltag der Menschen beleuchtet. Sie hat vier Jahre lang in Deutschland, Frankreich, England und anderen Ländern zahlreiche Menschen befragt, was den Islam in Europa ausmacht.

Gerade in Zeiten von Terror scheinen die Konfrontationslinien zwischen dem Islam und der europäischen Welt härter zu werden, aber dieser Eindruck trügt. Wie Nilüfer Göle zeigt, ist der Islam längst selbstverständlicher Bestandteil unseres – gemeinsamen – modernen Alltagslebens geworden. Es entstehen neue Identitäten und Formen des Zusammenlebens und natürlich auch neue Konflikte, wie etwa im Karikaturenstreit, die aber durchaus kreativ gelöst werden. In diesem Prozess erfindet sich Europa neu, eine Entwicklung, die kein Fundamentalist aufhalten kann.

Autorin:
Nilüfer Göle, geboren 1953 in Ankara, ist seit 2001 Professorin für Soziologie an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. Sie war unter anderem Gastprofessorin an der University of Michigan, am Massachusetts Institute of Technology und an der New School for Social Research in New York City und war Fellow am Wissenschaftskolleg Berlin. 
Bei Wagenbach lieferbar: Anverwandlungen. Der Islam in Europa zwischen Kopftuchverbot und Extremismus.

Aus dem Französischen von Bertold Galli

Nilüfer Göle
Europäischer Islam - Muslime im Alltag
Klappenbroschur
Format 13 x 21 cm
304 Seiten
1.Auflage 2016
Euro 24,- inkl. MwSt.    Buch kaufen



Scheidung auf islamisch..

wagenbach

AMARA  LAKHOUS

SCHEIDUNG  AUF  ISLAMISCH  IN  DER  VIA  MARCONI

Christian alias Issa soll eine terroristische Zelle aufdecken und gerät dabei in erhebliche Kalamitäten. Wie soll er der drohenden Gefahr auf die Spur kommen, wenn er Safia vor rassistischen Pöbeleien und seinen marokkanischen Mitbewohner Mohamed vor der Polizei schützen muss?

Der italienische Geheimdienst erfährt von einer Gruppe muslimischer Einwanderer, die sich in Rom in der Gegend um die Via Marconi trifft und einen größeren terroristischen Anschlag plant. Als verdeckter Ermittler kommt Christian Mazzari ins Spiel, ein Sizilianer, der dann als vermeintlicher tunesischer Immigrant Issa in die Via Marconi zieht. Im Internetcafé Little Cairo begegnet er den jungen Männern des Viertels – und Safia, einer zarten Ägypterin, die ihn die islamische Kultur mit den Augen einer jungen Frau sehen lässt. Issa und Safia erzählen abwechselnd aus ihrem Leben und von der geheimen Sympathie, die sie verbindet.

Wieder durchleuchtet Amara Lakhous die italienische Gesellschaft – ursprüngliche und zugezogene Einwohner – mit feiner Ironie und unbestechlichem Blick für die alltäglichen Missverständnisse. Währenddessen gehen Issas Ermittlungen voran, und auch die Anzeichen drohender Gefahr verdichten sich, bis zu einem überraschenden Ende, nach dem der Leser den Fall garantiert noch einmal von vorne aufrollt.

Autor:
Amara Lakhous, 1970 in Algier geboren, lebt seit 1995 als Autor in Rom. Er studierte Philosophie in Algier und Kulturanthropologie in Rom, wo er mit einer Dissertation über die erste muslimische Einwanderergeneration in Italien promoviert wurde.

Aus dem Italienischen von Michaela Mersetzky

Amara Lakhous
Scheidung auf islamisch in der Via Marconi
256 Seiten. Broschiert
1.Auflage 2012
Euro 11,90 inkl. MwSt.    Buch kaufen


Gare du Nord

sujet

ABDELKADER  DJEMAΪ

GARE  DU  NORD  - Novelle

 „Mit großer Zärtlichkeit porträtiert der Autor die drei Alten, die einander ein Stück algerische Heimat sind und sich so gegenseitig vor der Vereinsamung in der Fremde bewahren. Gleichzeitig bringt er den europäisch sozialisierten Lesern sanft die Welt der maghrebinischen Einwanderer nahe.” – DeutschlandRadioKultur

Aus dem Französischen von András Dörner

Abdelkader Djemaï
Gare Du Nord
100 Seiten
1.Auflage 2011
Euro 10,80 inkl. MwSt.    Buch kaufen