Sonntag, 22. April 2018

Unter den Augen des Löwen

Wunderhorn

MAAZA  MENGISTE

UNTER  DEN  AUGEN  DES  LÖWEN     Roman

"Unter den Augen des Löwen" erzählt am Beispiel einer Familie die blutigen Umbrüche im Äthiopien der 1970er Jahre.

Während furchtbare Hungersnöte den Norden des Landes heimsuchen, wächst in der Landeshauptstadt Addis Abeba der Widerstand gegen den alten Kaiser Haile Selassie.

Dawit, der Sohn des bekannten Arztes Hailu, schließt sich gegen den Willen des Vaters einer revolutionären Studentengruppe an. Als der Kaiser 1974 tatsächlich gestürzt und die jahrhundertealte Monarchie gewaltsam abgeschafft wird, kommt eine kommunistische Gruppierung an die Macht, die das Land in einen verheerenden Bürgerkrieg führt. In den Kriegswirren gerät Hailu in Schwierigkeiten, als er einer jungen Frau, die gefoltert wurde, hilft zu sterben.

Dawit geht erneut in den Untergrund. Inzwischen ist sein enger Kindheitsfreund Mickey zu einem hochrangigen Polizisten aufgestiegen. Familienbande und Freundschaften sehen sich brutalen Prüfungen ausgesetzt.

»Die Übersetzung aus dem Englischen wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt durch litprom - Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.«
www.litprom.de


Autorin
Maaza Mengiste, geboren 1971 in Addis Abeba, Äthiopien. Während der kommunistischen Revolution musste sie 1975 mit ihrer Familie Äthiopien verlassen, um in Nigeria, Kenia und schließlich in den USA zu leben. Sie studierte Creative Writing an der New York University, wo sie heute lehrt. Ihr viel beachteter Debüt Roman Unter den Augen des Löwen wurde in mehrere Sprachen übersetzt.


Aus dem Englischen von Andreas Jandl
Andreas Jandl, geboren 1975, studierte Theaterwissenschaften, Anglistik und Romanistik in Berlin, London und Montréal. Seit 2000 arbeitet er freiberuflich als Redaktionsassistent, Dramaturg und Übersetzer aus dem Englischen und Französischen. Zu seinen Übersetzungen gehören Theaterstücke und Romane u.a. von Daniel Danis, Nicolas Dickner, Mike Kenny, Michael Mackenzie, Gaétan Soucy und Jennifer Tremblay.


Maaza Mengiste
Unter den Augen des Löwen
Hardcover gebunden
Format 13.5 x 21 cm
290 Seiten
1.Auflage 2012
Euro 24,80 inkl. MwSt.    jetzt bestellen



Herausgeberin:
Indra Wussow studierte Literaturwissenschaft, lebt in Johannesburg/Südafrika und auf Sylt. Sie arbeitet als Autorin, literarische Übersetzerin und Kuratorin für verschiedene internationale Einrichtungen. 2002 gründete sie auf Sylt die von ihr geleitete Stiftung „kunst:raum sylt quelle“. Mit Stipendien, Ausstellungen, Aufführungen und Veröffentlichungen werden zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus unterschiedlichen Nationen gefördert. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst. 2008 eröffnete die Stiftung eine Dependance in Johannesburg, das “Jozi art:lab“.



Wasserkönige

Wunderhorn

MARK  BEHR

WASSERKÖNIGE   Roman

Nach dem Tod seiner Mutter kommt der afrikaanse Südafrikaner Michiel Steyn nach Jahren der Abwesenheit auf die Farm seiner Familie zurück. Doch selbst fünfzehn Jahre in den USA können die Schatten nicht verdrängen, die mit Michiels überstürzter Flucht von der Farm allgegenwärtig sind.

Das Ringen mit der Vergangenheit verschmilzt mit der Suche nach Identität in einer alten Heimat, die ein neues Land geworden ist und in dem Machtverhältnisse und Geschlechterrollen radikal in Frage gestellt werden. Elegisch und abschreckend, berührend und äußerst gedankenvoll ist »Wasserkönige« ein persönliches und politisches Klagelied und ein Zeugnis über die Kraft der Versöhnung.


Autor
Mark Behr wurde 1963 in Tansania geboren und wuchs in Südafrika auf. Die Familie emigrierte 1964 nach Südafrika, wo sie sich als Afrikaaner definierten. Nach Abschluss der Highschool wurde Behr in die Armee eingezogen und diente im Angolanischen Krieg. Sein preisgekrönter erster Roman »The Smell of Apples« (1995) erschien unter dem Titel »Krokodile weinen nicht« auch in Deutschland. Behr lehrt Literaturwissenschaft am College of Santa Fe, New Mexico / USA. Er starb 2015 im Alter von 52 Jahren in Johannesburg.

Aus dem Englischen von  Michael Kleeberg
Michael Kleeberg ist Autor und literarischer Übersetzer aus dem Französischen und Englischen. Von ihm übersetzt erschienen u. a. Marcel Proust »Combray« (2002) und »Eine Liebe Swanns« (2004), André Brink »Die andere Seite der Stille« (2008), Troy Blacklaws »Malindi« (2008) und Herman Charles Bosman »Mafeking Road« (2010).


Mark Behr
Wasserkönige
Hardcover gebunden
Format 13.5 x 21 cm
260 Seiten
1.Auflage 2011
Euro 24,80 inkl. MwSt.    jetzt bestellen




Herausgeberin:
Indra Wussow studierte Literaturwissenschaft, lebt in Johannesburg/Südafrika und auf Sylt. Sie arbeitet als Autorin, literarische Übersetzerin und Kuratorin für verschiedene internationale Einrichtungen. 2002 gründete sie auf Sylt die von ihr geleitete Stiftung „kunst:raum sylt quelle“. Mit Stipendien, Ausstellungen, Aufführungen und Veröffentlichungen werden zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus unterschiedlichen Nationen gefördert. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst. 2008 eröffnete die Stiftung eine Dependance in Johannesburg, das “Jozi art:lab“.



Zwietracht

Wunderhorn

SHIMMER  CHINODYA  

ZWIETRACHT          Roman

Der Roman schildert das Schicksal einer Familie, auf der ein Fluch zu liegen scheint. Der Erzähler rekonstruiert die Geschichte dieser Familie und schreibt damit auch eine Geschichte seines Landes Zimbabwe und dessen Besiedlung.

Als historischer Roman spannt sich die Handlung über hundert Jahre, als Familienroman über mehrere Generationen. Chinodya schreibt über die Entwurzelung der modernen intellektuellen Oberschicht im Zimbabwe der Gegenwart, die sich darüber klar wird, dass der Bezug zu den Vorfahren der Familie verloren ging. Dabei geht es nicht nur um persönlichen Verlust, sondern vielmehr auch um den Verlust eines Geschichtsbewusstseins, das eine ideologische Heimat bieten könnte. Erst die Fortführung dieser Tradition im Sinne der Wahrnehmung einer bisher verdrängten Vergangenheit verhindert, dass sich die Gegenwart nicht weiterentwickelt. »Strife«, zum Teil geschrieben während eines Stipendiats auf Schloss Wiepersdorf, wurde mit dem »Noma Award for Publishing in Africa« ausgezeichnet.


Autor
Shimmer Chinodya, 1957 in Gweru geboren, lebt in Zimbabwe und veröffentlicht seit 1982 Romane und Kinderbücher und ist auch Drehbuchautor. Sein Roman »Harvest of Thorns« (1989), 1990 ausgezeichnet mit dem Commonwealth Writers Prize, erschien als »Dornenernte« 1991 auf Deutsch (Horlemann Verlag). Im Jahr 2000 Stipendiat auf Schloss Wiepersdorf, nominiert für den Caine Prize für den Roman »Can We Talk«. 2005 zimbabwischer Verlegerpreis für das Kinderbuch »Tale of Tamari«.


Aus dem Englischen von  Manfred Loimeier
Manfred Loimeier, Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Tübingen, Wien, Basel und Berlin. Promotion in Bayreuth über Ousmane Sembène und Wole Soyinka, Habilitation in Heidelberg über J.M. Coetzee. Redakteur in Mannheim, Privatdozent für afrikanische Literaturen in Heidelberg. Publizierte u.a. die Interviewsammlungen »Wortwechsel« (2002) und »Wortschätze« (2012); Herausgeber der Erzählungsbände »Yizo Yizo« (2005), »Elf» (2010) und »Handgepäck Südafrika« (2011) sowie der Afrika Reihe Horlemann; Übersetzer des Romans »Zwietracht« von Shimmer Chinodya (2010); Autor der Essaybände »Africando. Literarische Reise durch einen Kontinent« (2010) und »Szene Afrika. Kunst und Kultur südlich der Sahara« (2012). Schrieb außerdem die Monografien »J.M. Coetzee« (2008) und »Die Kunst des Fliegens. Annäherung an das künstlerische Gesamtwerk von Herbert Achternbusch« (2013).

Platz 3 Litprom Bestenliste «Weltempfänger» 2011

Shimmer Chinodya
Zwietracht
Hardcover
Format 13.5 x 21 cm
256 Seiten
1.Auflage 2010
Euro 24,80 inkl. MwSt.    jetzt bestellen




Herausgeberin:
Indra Wussow studierte Literaturwissenschaft, lebt in Johannesburg/Südafrika und auf Sylt. Sie arbeitet als Autorin, literarische Übersetzerin und Kuratorin für verschiedene internationale Einrichtungen. 2002 gründete sie auf Sylt die von ihr geleitete Stiftung „kunst:raum sylt quelle“. Mit Stipendien, Ausstellungen, Aufführungen und Veröffentlichungen werden zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus unterschiedlichen Nationen gefördert. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst. 2008 eröffnete die Stiftung eine Dependance in Johannesburg, das “Jozi art:lab“.

Die Stille Gewalt der Träume

Wunderhorn

K. SELLO  DUIKER

DIE  STILLE  GEWALT  DER  TRÄUME          Roman
  
Der zweite Roman des jungen Südafrikaners K. Sello Duiker wirft ein Schlaglicht auf die aktuelle südafrikanische städtische Kultur.
In kraftvollen Bildern schildert er die Erfahrungen und Bewältigungsstrategien eines jungen Einwohners von Cape Town, der früh mit Gewalt, auch sexueller Gewalt, konfrontiert wird.

Der Student Tschepo wird nach einer drogenbedingten Psychose in eine psychiatrische Klinik gebracht. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch begibt er sich in Behandlung und wird gesund. Nun kann er sein Studium beenden, teilt seine Wohnung mit einem ehemaligen Kriminellen und gerät in weitere Turbulenzen. Sein Job als Callboy in einem Massagesalon mit zumeist weißen Kunden führt ihn zur Reflexion über seine eigene Sexualität und über schwarze Homosexualität in der Post-Apartheid-Gesellschaft. Parallel zu Tschepos Leben erzählt Duiker die Erfahrungen von Tschepos Studienfreundin und einziger Vertrauten Mmabatho, die von ihrem deutschen Freund ungewollt schwanger wird.


Autor
Kabelo Sello Duiker wurde 1974 in Soweto, Südafrika geboren. Er studierte Journalistik und Kunstgeschichte in Grahamstown. Sein Debütroman »Thirteen Cents« wurde im Jahr 2001 mit dem Commenwealth Writers Prize in der Kategorie Bester Erstlingsroman – Afrika ausgezeichnet. Auch seinen zweiten Roman »The Quiet Violence of Dreams«, erschienen 2002, nahm die internationale Literaturkritik sehr positiv auf. Der Autor erhielt für ihn den Herman Charles Bosman Preis. 2003 bekam er ein Literaturstipendium der Stiftung kunstraum:sylt quelle. Im Januar 2005 nahm sich K. Sello Duiker das Leben.


Aus dem Englischen von  Judith Reker
Judith Reker studierte in England und Ägypten Arabistik, Judaistik und Geschichte. nach längeren Aufenthalten in Kenia und der Republik Kongo lebt sie als freie Afrika-Korrespondentin in Johannesburg (Südafrika).


K. Sello Duiker
Die stille Gewalt der Träume
Hardcover
Format 13.5 x 21 cm
527 Seiten
1.Auflage 2010
Euro 26,80 inkl. MwSt.    jetzt bestellen




Herausgeberin:
Indra Wussow studierte Literaturwissenschaft, lebt in Johannesburg/Südafrika und auf Sylt. Sie arbeitet als Autorin, literarische Übersetzerin und Kuratorin für verschiedene internationale Einrichtungen. 2002 gründete sie auf Sylt die von ihr geleitete Stiftung „kunst:raum sylt quelle“. Mit Stipendien, Ausstellungen, Aufführungen und Veröffentlichungen werden zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus unterschiedlichen Nationen gefördert. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst. 2008 eröffnete die Stiftung eine Dependance in Johannesburg, das “Jozi art:lab“.

NEU: An einem Dienstag geboren

Wunderhorn
ELNATHAN  JOHN

AN  EINEM  DIENSTAG  GEBOREN     Roman

Dantala, der Protagonist des Romans, lebt mit anderen Kindern und Jugendlichen auf den Straßen von Bayan Layi, einer Kleinstadt im Norden Nigerias.
Die Koranschule, auf die sein Vater ihn geschickt hat, hat er verlassen, um sich stattdessen einer Gang anzuschließen. Er stiehlt, um zu essen und raucht Gras. Nachdem er und andere Straßenkinder im Zuge eines Wahlkampfs beauftragt werden, die Zentrale der oppositionellen Partei in Brand zu stecken und dieses Unterfangen desaströs schiefgeht, muss er fliehen.

In Sokoto findet er in einer Moschee Zuflucht, Essen und in Sheikh Jamal einen Imam, der durch seine charismatische Persönlichkeit schnell zu seinem Mentor wird. Mit seinem besten Freund Jibril teilt Dantala sich nicht nur ein Zimmer, sondern auch den Drang, der Komplexität der politischen und religiösen Ereignisse um ihn herum eine Sprache zu geben.

Die erste Liebe, dunkle Geheimnisse und die Frage nach persönlicher Loyalität gehören zum Alltag. Es ist eine brutale Welt, in der junge Menschen Verbrechen im Namen von Ideologien verüben, die sie nicht verstehen. Nach einem Besuch im Dorf seiner Mutter kehrt Dantala über ihren gesundheitlichen Verfall schockiert zurück und gerät mitten in einen Machtkampfs um die religiöse Vorherrschaft in der Moschee.
Plötzlich muss sich Dantala entscheiden: Welche Art von Muslim, und letztendlich, welche Art von Mann möchte er sein?

Ein kraftvoller Bildungsroman, der das mediale Bild eines von Boko Haram dominierten Norden Nigerias herausfordert und uns in eine vielschichte Welt mitnimmt, in der wir trotz religiösem Fundamentalismus Freundschaft, Liebe und Brüderlichkeit finden.


Autor
Elnathan John, geboren 1982 in Kaduna, Nordwest-Nigeria, ist Anwalt, Schriftsteller, Satiriker. Sein literarisches Schaffen wird seit 2013 von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen, als seine Erzählung Bayan Layi für den Caine Prize for African Writing nominiert war. Er wurde erneut nominiert im Jahr 2015. Sein erster Roman, Born on a Tuesday, der nun in deutscher Übersetzung vorliegt, schaffte es auf die Shortlist des Nigeria Prize for Literature (NLNG).


Aus dem Englischen von Susann Urban
Susann Urban arbeitet nach dem Studium der Germanistik, vielen lehrreichen Jahren im Buchhandel und anderswo als Lektorin und Übersetzerin u. a. von John Steinbeck, Nuruddin Farah, Lola Shoneyin und Nadifa Mohamed.


Elnathan John
An einem Dienstag geboren
Hardcover
250 Seiten
1.Auflage 2017
Euro 24,80 inkl. MwSt.    jetzt bestellen


Einen interessanten Presseartikel hierzu lesen Sie in der Potsdamer Neueste Nachrichten

Herausgeberin:
Indra Wussow studierte Literaturwissenschaft, lebt in Johannesburg/Südafrika und auf Sylt. Sie arbeitet als Autorin, literarische Übersetzerin und Kuratorin für verschiedene internationale Einrichtungen. 2002 gründete sie auf Sylt die von ihr geleitete Stiftung „kunst:raum sylt quelle“. Mit Stipendien, Ausstellungen, Aufführungen und Veröffentlichungen werden zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus unterschiedlichen Nationen gefördert. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst. 2008 eröffnete die Stiftung eine Dependance in Johannesburg, das “Jozi art:lab“.

Freitag, 30. März 2018

Rezension: Wenn das Volk sich erhebt

Kiepenheuer & Witsch
REZENSION   

Gero von Randow

Wenn das Volk sich erhebt     
Schönheit und Schrecken der Revolution

Gero von Randow geht den Revolutionen auf den Grund. Er fragt zu Beginn des Buches „...was ist eine Revolution?“ und stellt fest, dass Revolution ein Begriff ist, „dessen Ränder nicht begrenzt sind, sondern verlaufen.“ Und „Revolution heißt Umwälzung“.
In 15 Kapiteln wird der Begriff „Revolution“ definiert, erklärt und über die Formen und Arten von Revolutionen analysiert.

Das Buch befasst sich vor allem mit Revolutionen, bei denen sich Menschen erheben  und „Geschichte machen“ und weniger mit Umwälzungen der Industrie, Mode, Technik, Sexualität. Feminismus stellt eher eine Revolution dar, bei der das Patriarchat, die Männerherrschaft, erschüttert wird und gerade bei der französischen Revolution von 1789 spielten Frauen eine entscheidende Rolle, ebenso beim algerischen Unabhängigkeitskrieg (1954-1962) oder bei der Jasmin-Revolution in Tunesien und in Ägypten 2011. Leider haben die Frauen nach allen Revolutionen nicht langfristig ihre Rechte durchsetzen können und kämpfen bis heute um ihre Gleichberechtigung, überall auf der Welt.

Kernpunkt dieses Buches ist die „Veränderung der Staatsmacht“, „die eine veränderte Gesellschaft hinterlässt“. Ein gutes Beispiel dafür ist die Jasmin-Revolution in Tunesien, bei der die Bevölkerung das diktatorische Regime von Ben Ali hinweggefegt hat und nun eine Demokratie mit neuer Verfassung aufbaut. Und Revolutionen lassen sich nicht mehr rückgängig machen, auch wenn sie scheitern.

Wer macht Revolution? Das Volk. Es begehrt auf, lange ist es geduldig, nimmt Einschränkungen, Repressionen hin, aber dann, eines Tages ist es soweit, ein Funke (Selbstverbrennung in Tunesien) reicht und das „Fass ist übergelaufen“. Revolutionen haben den Lauf der Geschichte geändert, das war ihr „Job“, steht fast am Ende des Buches auf Seite 259.

Im dritten und vierten Kapitel werden die „Helden der Revolution“ beschrieben, Frauen und Männer, die eine Revolution in Gang brachten. Bewundernswert ist die Zielstrebigkeit der jungen Frau aus Tunis, Olfa Riahi, der Afghane Ajmal oder die Russin Nadja Tolokonnikowa in der heutigen Zeit, der Belgier Victor Serge, die Französin Louise Michel oder der Deutsche Erich Mühsam im 19. Jahrhundert.

Titel wie „Annäherung, Die Revolution spricht, Detonation, Dramaturgie, Konterrevolution, Weltrevolution“ hinterfragen die Anfänge, Bedeutung und Ziele von Revolutionen. Doch wie heißt es im 13. Kapitel: „war es das wert?“, das ist der Oberbegriff für die Frage nach dem „Ergebnis einer Revolution.“

Eigene Erlebnisse des Autors fließen in die Beschreibungen ein und machen das Buch noch authentischer.

Literaturhinweise und ein Register ergänzen das Geschriebene.

Autor:
Gero von Randow, geb. 1953, ist als Journalist und Buchautor mehrfach ausgezeichnet worden. 1992 wurde er Wissenschaftsredakteur der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT. Beim Aufbau der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wirkte er von 2001 bis 2003 mit, bevor er als politischer Redakteur zur ZEIT zurückkehrte. Von 2005 bis 2008 war er Chefredakteur von ZEIT ONLINE, bis 2013 als Korrespondent der ZEIT in Paris und arbeitet seither als ZEIT-Redakteur im Ressort Politik.


Fazit:
Wer etwas über die Hintergründe der aktuellen Weltlage erfahren will, sollte zu diesem aufschlussreichen Titel greifen. Revolutionen in der Geschichte werden genauso interessant dargestellt, wie die neuesten Revolutionen sachlich erläutert.
Aus Begegnungen in Tunesien oder Afghanistan oder der eigenen Teilnahme an den Ereignissen der 1968er Jahre ist ein persönliches, anschauliches Dokument entstanden.
Sehr gut geschrieben und deshalb empfehlenswert.


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Dienstag, 27. März 2018

Rezension: Die Flügel meines schweren Herzens

Manesse
Rezension

Die Flügel meines schweren Herzens     

Khalid al-Maaly


Schon der Untertitel lässt aufhorchen: Lyrik arabischer Dichterinnen. Natürlich dichten Frauen in Arabien, allerdings finden nur wenige Bücher geschweigen denn Gedichtbände den Weg in unsere Buchhandlungen. Dies ändert sich nun mit der Anthologie von Khalid al Maaly. Die ausgewählten Gedichte geben „einen … Einblick in das Selbstverständnis und die Interessen, in die Lebenssituation und gesellschaftliche Stellung arabischer Frauen“ vom 5. Jahrhundert bis heute.

Man staunt über die Freiheiten der arabischen Frau, die sich u.a. ihren Ehemann selbst aussuchen und ihn verstoßen konnte, wenn sie wollte. Viele Gedichte sind in der vorislamischen Zeit entstanden und einige davon recht „freizügig“ formuliert.

Niedergeschrieben wurden die mündlich weitergegebenen Gedichte erst ab Mitte des 9. Jahrhunderts. Zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert, während der Abbasidenherrschaft, „traten Sklavinnen vermehrt als Verfasserinnen ... hervor“. Araber hielten sich schwarze und weiße Sklaven, besonders Könige und Adelige legten Wert auf eine große Anzahl. Weiße, Frauen und junge Sklaven wurden bevorzugt und sie wurden unterrichtet, um später einen guten Preis auf dem Markt zu erzielen. Dichtkunst war neben „Gesang, Tanz, Schach, etc.“ und sexuellen Qualitäten ein wichtiger Punkt der Ausbildung.

Themen der gesammelten Lyrik sind neben der Liebe viele Gedanken zum Tod und Trauer, Verlust bei kriegerischen Auseinandersetzungen, „Ansporn und Aufstachelung zum militärischen Kampf“, Gedichte zum Gefallen der Herrscher oder „Spott- und Schmähgedichte gegen den Mann“, aber auch Lyrik über die soziale Stellung der Frau, beispielsweise während der kulturellen Blütezeiten in der abbasidischen Epoche ab dem 8. Jahrhundert oder später in Andalusien, in denen die Frauen einen größeren Anteil am kulturellen, künstlerischen und gesellschaftlichen Leben mit mehr Freiheiten hatten.

Gedicht von Bassma Shaikho aus Syrien (Auszug):

Was tu‘ ich noch hier?
Allein in dieser Stadt
Ich läute sonntags die Glocken ihrer Kirchen
Und rufe von jedem Minarett herab zum Gebet
Ich rufe nach den Verschollenen
Und Bete für alle, die fortgegangen sind
Ich gehe auf den Märkten umher
Käufer und Verkäufer bin ich
Ich schließe um acht
Die Schlüssel der sieben Tore hab‘ ich in der Hand
Ich schließe sie
Und gehe schlafen
Oder um zu sterben
Mir ist das einerlei
Denn ich bin die letzte Bewohnerin von Damaskus …

Die Dichterinnen stammen aus dem Jemen, heutigem Irak, der arabischen Halbinsel, Andalusien, Algerien, Ägypten, Marokko, Libyen, Äthiopien, Libanon, Kuwait, Damaskus, Bagdad, etc.
Es empfiehlt sich zuerst die kurze Vorstellung der 59 Frauen und das Nachwort zu lesen, um die Verschiedenheit der Gedichte und Hintergründe besser zu verstehen.

Der Herausgeber Khalid al-Maaly hat zusammen mit Heribert Becker die Gedichte auch übersetzt. Auf der linken Seite steht das Original auf Arabisch, auf der rechten Seite die deutsche Übersetzung. Es wurde bewusst auf einen Reim im Deutschen verzichtet.

Fazit:
Ein beeindruckendes Buch mit Gedichten, die man so nicht erwartet und auch nicht kennt. Die Frauen beweisen sehr viel Mut und bringen die Dinge auf den Punkt.


Herausgeber:
Khalid al Maaly, geb. 1956 im Irak. Er floh 1979 aus politischen Gründen nach Frankreich, später nach Deutschland. In Köln lebte er ab 1980  als Schriftsteller und übersetzte unter anderem arabische Lyrik. Seit 2008 führt er in Beirut/Libanon seinen eigenen Verlag.

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Freitag, 23. März 2018

Rezension Reiselust und Gartenträume

DVA
Rezension
Heidi Howcroft


Reiselust und Gartenträume      

Mit den „Gartenzwergen“ unterwegs
 Schon der Schutzumschlag macht auf den Inhalt neugierig. Die Palme auf einem Boot, die zwischen den Mauern eines weißgetünchten Palais in den Himmel wächst vor einer Bergkulisse ist ein Gemälde der Künstlerin Binette Schröder.

„Reiselust & Gartenträume“ - welch wundervolle Zusammenstellung und dies in Verbindung mit einer Kreuzfahrt - besser kann eine Reise für Gartenliebhaber kaum sein. Und wenn eine Landschaftsarchitektin und Engländerin wie Heidi Howcroft die Ausflüge zu den Gartenparadiesen begleitet und fachkundig erläutert, ist der Urlaub perfekt.

Mit dem Kreuzfahrtschiff zu den Gärten in Europa, Afrika, Karibik und Asien

Von Reisen mit der MS Deutschland und Sea Cloud II, die zwischen 2006 und 2014 durchgeführt wurden, erzählt die Autorin ihre amüsanten Geschichten zu fernen Gärten und Parks. Beginnend im Westen Europas mit Irland, Schottland und den Orkney-Inseln, Madeira und den Azoren geht es über Italien, Sizilien und Marokko weiter in die Karibik und endet in Hongkong, Taiwan und Shanghai.

An Bord durch Vorträge vorbereitet, entdecken die „Gartenzwerge“, so der Name der vielen Teilnehmer, die die Ausflüge gebucht haben, die botanischen Paradiese mit Hilfe der ortskundigen Busfahrer, die manchen Geheimtipp beisteuern, Stadtführern, die eigene Rezepte für Spezialitäten weitergeben und weiteren Helfern, die die Erzählungen der Autorin bereichern.

Versteckte Gartenparadiese

Oft überraschen nicht die großen Parks sondern eher die versteckten Privatgärten mit üppiger Blütenpracht in schwierigsten Bedingungen, wie zum Beispiel auf den Orkney-Inseln, wo der Wind so kräftig weht, dass die Bäume nicht höher als eine Mauer wachsen können, bevor sie „zerfetzt“ werden. Durch den Golfstrom herrschen milde Temperaturen und zwischen Mitternachtssonne und dunklen Wintermonaten blühen hier alle Blumen kurz und gleichzeitig, besonders gut gedeihen Stauden.

In Marokko wird auf den Besuch des andalusischen Gartens in Chefchaouen verzichtet, dafür ist der Spaziergang durch die „blaue“ Medina umso aufregender. Doch ein Spaziergang durch den Jardin Majorelle in Marrakech sollte natürlich nicht ausgelassen werden.

Humorvoll, mit spannenden historischen und gärtnerischen Fakten zu den Gartenbesitzern und Parks reist der Leser von einem Gartenparadies zum nächsten und erfährt ebenfalls etwas über die Kreuzfahrterlebnisse der Autorin. Durch die detaillierte Beschreibung kann man sich als Leser die Anlagen und Anordnung der Pflanzen, Töpfe und Dekorationen im Garten gut vorstellen.

Autorin:
Heidi Howcroft ist eine bekannte Landschaftsarchitektin, Autorin und Gartenjournalistin. Die deutschsprachige Britin hat bereits 30 Bücher veröffentlicht, sie schreibt eine regelmäßige Kolumne für das Magazin Ratgeber Lust auf Natur und ist Gartenexpertin bei NZZ Bellevue, dem Online Lifestyle-Portal der Neuen Zürcher Zeitung, wo sie ihr Garten-Know-how vermittelt.
Wenn Heidi Howcroft nicht auf Reisen ist, arbeitet sie in ihrem Schreibatelier mit Blick auf den Cottage-Garten in einem kleinen Dorf in Somerset, England.

Fazit:
Ein unterhaltsam geschriebenes Buch, abwechslungsreich und spannend. Man spürt die Liebe der Autorin zu ihrer Tätigkeit.
Besonders hilfreich für Interessierte sind die Internetadressen der Gärten und Hotels, die das Geschriebene noch unterstreichen. Am besten legt man sich beim Lesen ein Tablet oder Handy daneben, um gleichzeitig die Bilder der Gärten und Pflanzen betrachten zu können, denn im Buch gibt es leider keine Bilder. So wirkt der Einblick noch intensiver und wenn eine Reise geplant wird, sind die Öffnungszeiten und Informationen zu Spaziergängen oder Blütezeiten eine gute Unterstützung.
Sehr empfehlenswert.

Zurecht erhielt dieses Buch den 2. Preis in der Kategorie „Bester Garten-Reiseführer 2018“ des Deutschen Gartenbuchpreises und European Garden Book Award auf Schloss Dennenlohe.

Weitere Informationen zur Autorin unter: www.heidi-howcroft.de

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HEIDI  HOWCROFT
REISELUST & GARTENTRÄUME
Geschichten über Reisen  zu fernen Gartenparadiesen
Gebunden mit Schutzumschlag
248 Seiten
1.Auflage 2017
Euro 14,95 inkl. MwSt.   hier kaufen



NEU: Die Islamische Aufklärung

S.Fischer

NEUERSCHEINUNG

CHRISTOPHER  DE  BELLAIGUE

DIE  ISLAMISCHE  AUFKLÄRUNG
Der Konflikt zwischen Glaube und Vernunft

Die islamische Aufklärung hat längst stattgefunden. In einer fulminanten Erzählung demontiert Christopher de Bellaigue die oft selbstgefällige westliche Sicht auf die arabische Welt. Auch in Ägypten, im Iran und der Türkei gab es nach 1800 eine breite Bewegung für Freiheit, Gleichheit und Demokratie und für einen weltlichen Staat, für Frauenrechte und Gewerkschaften, freie Presse und die Abschaffung der Sklaverei. In atemberaubender Geschwindigkeit modernisierten sich die arabischen Gesellschaften. Doch die Gegenaufklärung folgte auf dem Fuß, mit autokratischen Regimen und fundamentalistischem Terror. De Bellaigue schildert den Kampf zwischen Glaube und Vernunft und um eine neue muslimische Identität. Eine reiche, überraschende Geschichte, eine radikal neue Sicht auf den modernen Islam.

»Christopher de Bellaigue gehört seit Langem schon zu den einfallsreichsten und anregendsten Interpreten einiger von Angst und Vorurteil verstellter Realitäten. In ›Die islamische Aufklärung‹ seziert er den selbstgefälligen Gegensatz zwischen Islam und Moderne und enthüllt dabei eine faszinierende Welt: eine Welt, in der Menschen sich unter dem Druck der Geschichte ständig verändern, improvisieren und sich anpassen. Es ist genau das richtige Buch für unsere in Unordnung geratene Welt: aktuell und erhellend.«
Pankaj Mishra

»Eine ausgesprochen originelle und informative Studie über die Zusammenstöße zwischen dem Islam und der Moderne in Istanbul, Kairo und Teheran während der letzten zweihundert Jahre.« Orhan Pamuk

»Erhellend, großartig geschrieben, ein Buch, das uns hilft, das Verhältnis zwischen islamischer Welt und Moderne zu verstehen.«  Yuval Noah Harari, Autor von »Eine kurze Geschichte der Menschheit«

»Zur rechten Zeit, tiefsinnig und provokativ.« Peter Frankopan   (Verlagstext)

Autor:
Christopher de Bellaigue, geboren 1971, studierte an der Cambridge University und war Fellow an der Harvard University und der University of Oxford. Er lebte über fünf Jahre in Teheran und bereiste als Journalist Südasien und den Mittleren Osten. Er schreibt für Economist, Guardian und die New York Review of Books und lebt in London. Für sein Buch »Die islamische Aufklärung. Der Konflikt zwischen Glaube und Vernunft« wurde Christopher de Bellaigue für den renommierten Baillie Gifford Prize 2017 nominiert. (Verlagstext)

Originalsprache: Englisch
Übersetzt von: Michael Bischoff

Christopher de Bellaigue
Die islamische Aufklärung
Hardcover          
544 Seiten
1.Auflage 2018
Euro 25,- inkl. MwSt.   hier kaufen

Dienstag, 20. März 2018

Reform des Islam

Claudius

ABDEL-HAKIM  OURGHI

REFORM  DES  ISLAM  - 40 THESEN

Eine Debatte polarisiert noch immer das Land: Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Der in Algerien geborene und in Freiburg lehrende Religionswissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi bezieht klare Position. Ein Islam der Unterwerfung, der fehlenden Kritikfähigkeit gehört weder zu Deutschland noch zu Europa. Deshalb braucht es eine Reformation des Islam. Deshalb dürfen muslimische Kinder in Deutschland nicht durch den Koranunterricht aus ihrer westlichen Lebenswelt herausgerissen werden. Deshalb muss der politische Einfluss muslimischer Dachverbände und radikaler Imame eingedämmt werden.

Es ist höchste Zeit, die kanonischen Quellen des Islam – den Koran und das Leben des Propheten – reflektiert zu verstehen und zeitgemäß zu interpretieren. Im westlichen Kontext meint dies: die islamische Identität anhand der Vernunft kritisch infrage zu stellen und so den Rahmen für eine grundlegende Islam-Reform abzustecken. In seinem ersten, mit Spannung erwarteten Sachbuch benennt Ourghi Missstände, Chancen und Rezepte für einen weltoffenen und verfassungsloyalen Islam in Deutschland.

„Der Islam der Unterwerfung, der fehlenden Kritikfähigkeit gehört weder zu Deutschland noch zu Europa. Immanuel Kant hat vor mehr als 200 Jahren dazu aufgefordert, den eigenen Verstand ohne fremde Anleitung zu benützen. Genau dies sollten wir Muslime auch in Bezug auf den Islam tun.“
Abdel-Hakim Ourghi

„Ein wichtiger und mutiger Beitrag zur Debatte. Der Islamwissenschaftler Ourghi benennt die wirklichen Krankheiten im islamischen Denken, die eine Reform verhindern.“ Hamed Abdel-Samad
(Verlagstext)

Autor:
Abdel-Hakim Ourghi wurde 1968 in Algerien geboren. Er studierte in Oran und Freiburg i. Br. Philosophie und Islamwissenschaft. Seit 2011 leitet er den Fachbereich Islamische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Er ist Initiator der viel beachteten "Freiburger Deklaration" für einen reformierten, säkularen Islam.


Abdel-Hakim Ourghi
Reform des Islam - 40 Thesen
Klappenbroschur
Format 14 x 21,5 cm
240 Seiten
1. Auflage Oktober 2017
Nur Euro 18,- inkl. MwSt.  jetzt kaufen