Samstag, 29. Dezember 2012

Afrika interpretieren

Afrika interpretieren

DR. ALMUT  SEILER-DIETRICH

AFRIKA  INTERPRETIEREN
50 Jahre Unabhängigkeit - 50 Jahre Literatur

Die Literaturwissenschaftlerin Almut Seiler-Dietrich stellt vierundzwanzig, für das nachkoloniale Afrika wichtige, Romane vor, die zum Teil auf Deutsch erschienen sind. Dieser schmale aber edle Band enthält Textauszüge des nigerianischen Nobelpreisträgers Wole Soyinka, des kenianischen Bestsellerautors Ngugi Wa Thiong’o und viele andere. 
Achtzehn farbige Reproduktionen moderner afrikanischer Malerei begleiten die informativen und spannenden Texte, die sich um Auszüge aus den deutschen Übersetzungen ranken; das Nachwort gibt einen Überblick über die subsaharische Literatur der letzten Jahrzehnte.


Autorin:
Dr. Almut Seiler-Dietrich studierte Romanistik und Slawistik, ist Studienrätin, Publizistin und Literaturwissenschaftlerin. Sie beschäftigt sich mit der Literatur von Afrikanerinnen und Afrikanern, die in den Ländern südlich der Sahara leben und möchte diese Werke möglichst vielen interessierten Lesern näher bringen.
Schon als Kind lebte sie rund drei Jahre in der Demokratischen Republik Kongo, in Kinshasa (dem früheren Léopoldville), wo ihr Vater im Auftrag der UNESCO für das Erziehungsministerium arbeitete, und ging dort zur Schule, in der auf Französisch unterrichtet wurde. Zurück in Deutschland studierte sie in Gießen, Freiburg und Heidelberg Romanistik und Slawistik. Ihre Examensarbeit schrieb sie über  „neoafrikanische Dichtung in französischer Sprache“ und als Mitarbeiterin bei Janheinz Jahn, der bei Darmstadt eine Sammlung afrikanischer Literatur besaß, die er registrierte, übersetzte und in Deutschland veröffentlichte, wurde sie Mitautorin seines Buches „Who’s Who in African Literature“, das 1972 im Erdmann Verlag erschien, und schrieb das Buch „Afrikanische Literatur an deutschen Universitäten“ (Steiner Verlag in Wiesbaden, 1972).
Es folgen Reisen durch Nigeria mit dem Ife-Festival der Künste, bei dem sie unter anderen die Künstlerin Susanne Wenger kennen lernte, durch Kamerun und andere afrikanische Länder. Ein Jahr arbeitete Almut Seiler-Dietrich als Französischlehrerin an der ENA (Verwaltungsschule) in Niamey, Niger. In Deutschland arbeitete sie als Studienrätin am Alten Kurfürstlichen Gymnasium im südhessischen Bensheim.
Ihren Doktortitel verlieh ihr die Universität Frankfurt für die Untersuchung eines 1933-1937 in Madagaskar entstandenen Textes, der 1800 Seiten umfasst, die mit der Hand und in französischer Sprache geschrieben sind: „Denkt an uns in unseren ruhigen Grotten“ Die Tagebücher des madagassischen Dichters Jean-Joseph Rabearivelo (WWT, Trier 2005). Der Tagebuchtext selbst wurde 2010 von einem Team unter der Leitung von Serge Meitinger, Liliane Ramarosoa und Claire Riffard im ersten Band der gesammelten Werke veröffentlicht (Jean-Joseph Rabearivelo: Oeuvres complètes I, Paris, CNRS/Présence Africaine).

Weitere Veröffentlichungen von Dr. Almut Seiler-Dietrich:
„La Littératture néo-africaine“ (PUF, Paris 1976)
„Märchen der Bantu“ (Diederichs-Reihe „Märchen der Welt“, 1980)
„Die Literaturen Schwarzafrikas“ (C.H.Beck, München 1984)
„Wörter sind Totems - Literatur in Afrika“ (Books on African Studies, Heidelberg 1995)


Dr. Almut Seiler-Dietrich
Afrika interpretieren
140 Seiten
Preis: Euro 22.00    Buch kaufen
Books on African Studies, Heidelberg 2007



Donnerstag, 6. Dezember 2012

Rezension: 101 Nacht


101 Nacht
101 Nacht
CLAUDIA OTT

101 NACHT

Wie im Märchen… 
Es war einmal eine Dame, die besuchte 2010 in Berlin ein Museum mit Ausstellungsstücken der Aga Khan Stiftung. Sie ging also durch die Räume und betrachtete Kunstgegenstände wie Gemälde, Keramiken, Kleider, Metallgefäße und Holzarbeiten. Für die Buchillustrationen, Zeichnungen, Manuskripte und Handschriften interessierte sie sich besonders. Die Handschriften in einer Vitrine mit Ausstellungsstücken aus Andalusien erregten ihre Aufmerksamkeit. In einer Ecke lag ein Buch, das die Dame magisch anzog und als sie den Titel las, war sie wie elektrisiert und die Sensation perfekt.

„Das Buch mit der Geschichte von Hundertundeiner Nacht“
Nun zur Realität, denn die Dame ist keine geringere als die Orientalistin Dr. Claudia Ott, die Übersetzerin einer der neueren Ausgaben von „Tausendundeine Nacht“. Sie hat eine Sammlung von Märchen entdeckt, die fast unbekannt ist, nämlich „Das Buch mit der Geschichte von Hundertundeiner Nacht“.  
Diese Rarität hat Claudia Ott übersetzt.  Die Sensation an der nun vorliegenden deutschen Ausgabe ist die Vorlage, die bis jetzt die „älteste erhaltene“ Handschrift ist und deren Wert von anderen Orientalisten vorher nicht erkannt wurde. Sie stammt von etwa 1234 oder 1235.

Vermutlich älteste Handschrift aus Andalusien
Es wird sogar vermutet, dass die Sammlung auf Vorlagen altindischer bis chinesischer Märchen zurückgeht und um 500 n. Chr., also vor der Entstehung des Islam, ins Mittelpersische übersetzt wurde. Über Arabien und Nordafrika gelangten diese Märchen in das damals arabisch-berberische al-Andalus (heute Andalusien in Südspanien) und wurden um 800 n. Chr. ins Arabische übertragen. Vom 9. bis zum 15. Jahrhundert wurden sehr viele arabische Werke aus den Wissenschaften in Andalusien per Hand kopiert, darunter auch die bekannten Märchen aus Tausendundeiner Nacht.
In Hundertundeine Nacht werden die Kreuzzüge nicht erwähnt, was, neben anderen Hinweisen, die im Nachwort beschrieben werden, auf eine frühere Entstehung schließen lässt. Denn gerade die Kreuzzüge sind ein beliebtes Thema der arabischen Literatur in der damaligen Zeit.

Einfluss auf europäische Märchen
Außer der Rahmengeschichte, die wie bei Tausendundeine Nacht, von Shahrazad und dem König handelt, und trotzdem schon einen anderen Verlauf zeigt und zwei Geschichten, die, in Variationen, auch in Tausendundeine Nacht enthalten sind, liegen hier andere Märchen vor. Die Verbreitung von Hundertundeine Nacht beschränkt sich auf den berberisch-arabischen Westen und ist die älteste der bisher bekannten sieben Handschriften. Sogar die europäischen Märchen und Legenden wurden von Hundertundeine Nacht mehr beeinflusst als von Tausendundeine Nacht; es gibt mehr als nur Ähnlichkeiten, wie sich bei dem „Rolandlied“  und anderen Geschichten, die in Italien erzählt werden, nachweisen lässt.
                                                                        
Von Kalifen und Prinzen, schönen Frauen und edlen Helden
Die Märchen aus Hundertundeine Nacht erzählen von reichen Kalifen und edlen Prinzen, gerissenen Kaufleuten und listigen Händlern, schönen Mädchen und heldenhaften Jünglingen. Königreiche werden verteidigt, Jungfrauen entführt. Mit List und Schlauheit setzen sich die Helden durch, mal ist es der Königssohn, dann die Tochter des Herrschers, die sich rächt. Beduinen und Sesshafte wohnen in den Königreichen. Riesen und Dschinnen bedrohen Königstöchter und werden von schönen Prinzen des Nachbarkönigreichs gerettet. Die Erzählungen sind in sich abgeschlossen und nehmen immer ein gutes Ende für die Protagonisten und eine Moral steht am Ende so mancher Geschichte. Es wird zwar viel getötet, aber die Herrscher sind im Allgemeinen eher milde und nachsichtig. Insgesamt werden 38 Geschichten, inklusive der Rahmenhandlung von Shahrazade und dem König, in Hundertundeine Nacht erzählt.

Von der Handschrift zum gedruckten Buch
Neben den 101 Erzählungen sind das Nachwort und die Beschreibung von Claudia Ott über ihre Arbeit an diesem Buch mindestens genauso interessant, wie die Geschichten, die Shahrazad ihrem König erzählt.
Von der Entdeckung der Handschrift während der Ausstellung „Schätze des Aga Khan Museum“ in Berlin bis zur fertigen Ausgabe beschreibt sie ihre Tätigkeiten und der Leser kann verfolgen, wie viele Schritte notwendig waren, bis er dieses schöne Buch in der Hand hält. Bilder vom andalusischen Original zeigen ersten Seiten der arabischen Handschrift, die Vermessung und Detailansichten mit der Beschreibung der Handschrift.  

Das Buch
Das Buch hat einen edlen, samtigen Einband in Rot mit kupferfarbenen Arabesken. Die 334 Seiten sind gut zum Lesen und Vorlesen geeignet, denn das Schriftbild ist klar und übersichtlich.
Die Überschriften sind in Rot abgesetzt und wenn im Original Worte in Rot geschrieben wurden, so sind sie auch in diesem Buch in Rot gedruckt. Im Glossar werden Erklärungen zu unbekannten Ausdrücken gegeben. Es folgen ein Personenverzeichnis, eine Zeittafel und das Inhaltsverzeichnis.

Autorin:
Frau Dr. Claudia Ott studierte in Jerusalem, Tübingen und Berlin Orientalistik und arabische Musik in Kairo. Mit ihrer Übersetzung von 1001 Nacht aus der arabischen Vorlage von Muhsin Mahdi wurde sie einem großen Publikum bekannt. Sie lebt mit ihrer Familie in Niedersachsen und unterrichtet an der Universität in Göttingen.

Fazit:
Das Buch ist ein Juwel für Liebhaber orientalischer Märchen und Literatur eine wahre Freude. Wer sich für die Sammlung der Märchen aus 1001 Nacht interessiert, dem sollte „Das Buch mit der Geschichte von Hundertundeiner Nacht“ nicht fehlen.


Claudia Ott
101 Nacht - Aus dem Arabischen erstmals ins Deutsche übertragen von Claudia Ott nach der Handschrift des Aga Khan Museums
1.Auflage 2012, Hardcover mit Schmuckeinband
334 Seiten, Samtbezug mit Folienprägung
Preis: Euro 49,95  Buch kaufen 
Manesse Verlag, Zürich